Thematische Schwerpunkte:

Fragen zu Idiom und zu Qualität

...Das Kunstwerk erweckt das Denken zum Leben, über die Empfindungen hinaus; mehr noch: Seine Qualität, die ich für evident erachte, besteht darin, dass es die Empfindungen in die Gedanken zwingt, so weit, dass die Empfindungen selbst verfälscht werden; es verwandelt Flecken in Sedimente; in Literatur, Poesie; aus Öl, Erde, Stein werden Körper, Himmel, Räume. Andernfalls würde es sich nicht von einer Suppe oder einem Parfüm unterscheiden. Sagen wir lieber: Es befreit den Gedanken.
Luciano Fabro

Idiom: Oft wird Freie Improvisation auch Nichtidiomatische Improvisation genannt. Das ist ein falsches Etikett. Denn jeder Form des Sichäusserns, sei diese Äusserung nun spontan oder geplant, liegt eine Haltung zugrunde. Jeder Haltung entspricht aber auch eine Ausdrucksweise, ein Idiom.
Was kann man als Idiom bezeichnen? Wie entstehen Idiome und wie weit sind sie von Konventionen geprägt? Worin unterscheiden sich Idiome? Gibt es zwischen ihnen fundamentale Gemeinsamkeiten?
Idiom und Freiheit: beschneidet die Bindung an ein bestimmtes Idiom die (Ausdrucks-) Freiheit? Oder machen Grenzen Freiheit vielleicht erst möglich? Etwa indem sie als Orientierungshilfen oder Koordinationspunkte jene Sicherheit liefern, die eine grosse – für das Entstehen von Aussergewöhnlichem unverzichtbare – Risikobereitschaft kalkulierbar machen und gewagte "Exkursionen" nicht ins Bodenlose abstürzen lassen?
Ein Idiom ist aber auch eine Oberfläche, an die man sich gewöhnt und die sich (als künstlerische Information(sform)) abnützt: wie kann diesem Abnützungsprozess begegnet werden? – Denn Abnützung ist ein Feind von

Qualität: Was ist Qualität? Wie entsteht Qualität? Welches sind die Kriterien und wer entscheidet das? Wie wichtig sind z.B. Originalität, Analysierbarkeit, Komplexität, Folgerichtigkeit? – Nicht zuletzt stellt sich hier die Frage zum Begriff des "Überganges": Übergang von was zu was? Der Übergang als Nebensache, Minderwertiges, lediglich eine Hauptsache mit einer andern verbindend?
Wie wichtig sind im Zusammenhang mit Qualität Risiko und Spekulation? – Richtig / falsch: was ist ein Fehler und wie geht man damit um? – Welches ist die Bedeutung von (ästhetischen) Konventionen?
Die Frage des Geschmacks: ist dieser wirklich nur subjektiv? Und lässt sich darüber nicht begründet streiten?

Walter Fähndrich