Thematische Schwerpunkte:

Improvisieren – wozu?

Improvisation begleitet uns fast permanent und ohne dass wir ausweichen (können). Jedes wirkliche Gespräch stört die Ruhe eigener Standpunkte und führt uns auf Ebenen nicht oder nur beschränkt vorhersehbaren Reagierens. Handlungsabläufe im Alltag verlangen uns immer wieder Entscheide ab, für die zu wenig Zeit zum Planen besteht und die spontan fallen müssen.
Das Gefahrenpotenzial der dabei einzugehenden Risiken bleibt meistens überschaubar und somit in einem mehr oder weniger kalkulierbaren Rahmen; Erfahrung und ein von allen normalerweise eingehaltener Katalog von Kommunikations- und Verhaltensregeln bieten Sicherheit. Doch, trotz “Leitplanken” birgt jedes Improvisieren naturgemäss Risiken.

Was bewegt nun Menschen dazu, zumal in unserer auf Sicherheit versessenen Zeit, freiwillig zu improvisieren? Öffnen sich beim Improvisieren Räume, die planmässigem Tun verschlossen bleiben? Hat Improvisation mit Freiheit zu tun? und damit vielleicht auch mit Subversion? Was ist die Funktion von (grundsätzlich unverzichtbaren?) Regeln?

Improvisiertes gilt meist als weniger vollkommen als Geplantes; - bedeutet unvollkommen auch unvollständig?
Analysierbarkeit und Komplexität als Qualitätskriterien: Wie vertragen sich Improvisieren und die Idee des Kunstwerks?
Gemeinhin verbindet man die Fähigkeit zu improvisieren mit Kreativität; - wo ist hier der Platz des Stereotypen? und wo steht das Experiment?

Der relativ neue Gedanke des in sich geschlossenen (Kunst-) Werkes: gibt es Situationen oder Organisationsformen, in denen Improvisieren zur Realisierung bzw. Erhaltung einer (künstlerischen) Idee essentiell und daher unverzichtbar ist?
Wird in schriftlosen Kulturen mehr improvisiert als in solchen mit Schrift?

Und, was hat Spielen mit Improvisieren zu tun?

Walter Fähndrich