SEMINARE

 
 

Seminar I: Di - Sa, 5. - 9. Oktober

Max Haas, Lupsingen, CH

 

Seminar VI: Di - Sa, 5. - 9. Oktober

Thomas Meyer, Mettmenstetten, CH

 
 

Notation und nichtschrifliche Überlieferungssysteme von Musik.
Für die Zwecke unseres Seminars wählen wir als Ausgangspunkt Zeugnisse zur Musik der drei Schriftreligionen – Judentum, Christentum und Islam – zu mittelalterlicher Zeit. Damit erhalten wir erste Ansätze für die Frage nach "mündlicher", also nichtschriftlicher Überlieferung und "schriftlicher" Tradition – eine Frage, die sich natürlich nicht auf das Mittelalter beschränkt Doch eignen sich Materialien aus dieser Periode für unser Seminar besonders gut; denn Christen im sogenannten "lateinischen Mittelalter" entwickeln in der ersten Hälfte des 9. Jahrhunderts Notenschrift (Neumen und Buchstabennotation) sowie eine Musiklehre, die Notation benötigt. Juden wie Muslimin besitzen zu dieser Zeit bereits eine Musiklehre, deren Niveau weit über der des lateinischen Mittelalters liegt; doch sind weder Juden noch Muslimin daran interessiert, Notation zur Überlieferung ihrer Corpora von Melodien zu entwickeln, obgleich sie die christlichen Usanzen kennen. Daraus ergeben sich mehrere recht allgemeine Fragen: warum schreibt man Musik auf? Wie transportiert oder tradiert man Musik ohne Notation? Warum schreibt man über Musik? Was genau wird geschrieben, wenn man Musik aufschreibt?


Seminar II: Di - Sa, 5. - 9. Oktober

Christian Kaden, Berlin, D
Zum historischen Wandel von Musikkonzepten. Was hat Musik mit Klang zu tun?!
Die provozierende Frage von Charles Ives "What does music have to do with sound?!" kann für den anrührend sein, dem Musik noch nicht erstarrt ist: zur Selbstverständlichkeit. Zwar weiss europäisch-neuzeitliche Kultur sich einig, dass Musikalisches zentriert sei auf die Organisation von Schall. Noch dem Mittelalter jedoch war neben der hörbaren eine sichtbare musica vertraut, auch eine, die sich ertasten, erspüren liess im Wortsinne. Vollends überwältigend präsentiert sich die Vielfarbigkeit der Konzeptionen in antiken und aussereuropäischen Überlieferungen. Hier erscheint Musik gerade nicht als abgegrenzt-spezialistische Tätigkeit. sondern als eine, die Erfahrungen ent-grenzt, aufs Weltganze geht, hin zum Kosmischen. Solche Fülle des musikalisch Denkmöglichen ist heute erst wieder zu erschliessen. Und es ist wahrnehmbar zu machen, dass sich mit ihr keine bloss spekulative Begrifflichkeit verbindet. sondern Lebenswirklichkeit – und Wirklichkeit des Erlebens.


Seminar III: Di - Sa, 5. - 9. Oktober

Fred van der Kooij, Zürich, CH
Wo unter den Bildern sind die Klänge daheim? Filmische Struktur und musikalisches Denken.
Die Tonspuren der Filme Jean-Luc Godards sind von Anfang an von einer höchst ingeniösen Beschaffenheit. Die rigorose Gleichstellung von Musik und Geräusch, die den Direktton der Filme nicht anders behandelt als die nachträglich angelegten Kompositionen, und die mit den Dialogen oft ebenso frei verfährt wie mit einem Instrumentalklang, macht aus einem Godard-Film, zunächst im rein akustischen Sinne, ein dichtes polyphones Gewebe. Da es in diesen Filmen nicht nur Beziehungen zwischen den Klangereignissen gibt. sondern – nicht minder intensiv – auch zwischen diesen und dem Geschehen auf der Leinwand, entsteht eine audiovisuelle Mehrstimmigkeit. Gerade an den jüngeren Filmen Godards kann dies exemplarisch gezeigt werden.


Seminar IV: Di - Sa, 5. - 9. Oktober

Kurt Dreyer, Luzern, CH
Choreographie und musikalisches Denken.
Nachdenken über Vernetzung von Bewegung und Musik in szenischen Aktionen Wie eigenständig ist die "visuelle" Musik des Tanzes? Wie beeinflusst ein Raum, ein Bühnenbild die szenische Klanglichkeit? Wie wirken Farben, Kostüme, Objekte? Kann Bühnenlicht musizieren? Was bewirkt Musik in einern szenischen Geschehen? Welche Musik für welches Stück? In welchem Verhältnis stehen choreographische und musikalische Gestalt? Wie wirken Musik und Bewegung ineinander? Was für Inhalte werden transportiert? Mit welchen Mitteln? Wann wirkt eine Bewegungssprache genuin? Was soll der Tanz? Was kann der Tanz?


Seminar V: Di - Sa, 5. - 9. Oktober

Rudolf Frisius, Karlsruhe, D
Die verschiedenen Arten musikalischen Denkens und ihr Verhältnis zur Improvisation.
MUSIK ALS HISTORISCHER PROZESS • Von der Live-Klangkunst zur Tonkunst und zur technisch (re-)produzierbaren Klangkunst • Emanzipation der Dissonanz - Emanzipation des Geräusches • Determination und Unbestimmtheit • Musikgeschichte und allgemeine Geschichte: Autonome Musik – Musik als Zeitdokument
MUSIK ALS SPIEGEL DER HÖRWELT • Sprache, Geräusch und Musik als Dimensionen der Hörwelt • Klangwelten – Klangereignisse • Aufarbeitung, Umgestaltung und Neuschöpfung von Hörereignissen
MUSIKALISCHES MATERIAL – MUSIKALISCHE KOMMUNIKATIONSPROZESSE • Klangeigenschaften und ihre Strukturierung • Klangtypen • Konsequenz und Interaktion
MUSIK ALS GESTALTETE ZEIT • Zustand – Veränderung • Geschnittene Zeit – Fliessende Zeit • Kontrastierungen (vertikal, horizontal) – Abwandlungen, Ableitungen – Formprozesse
HÖRERFAHRUNG – GESAMTERFAHRUNG Musikimmanentes und musikübergreifendes Denken • Live-Ereignisse – technisch produzierte Ereignisse:
Wandlungen der Multimedialität • Hörbare und sichtbare Vorgänge: Parallelisierungen – polyphone Emanzipationen • Klang – Raum – Zeit

 

 

Das Vordenken von Musik – und das klingende Ergebnis.
In welchem Verhältnis stehen Planung und Ausführung im kompositorischen Prozess? Welche Auswirkungen hat das deklarierte oder verschwiegene Vordenken auf die Musik und unser Hören? Wie befriedigend ist es, wenn ein Konzept "aufgeht"? Wo kommt es zu Widersprüchen? Das Seminar versucht, in den Bereich dieser Fragen, Programme und Kunstmythen einzudringen.


Seminar VII: Di, 5. Oktober

Wolfgang Heiniger / Thomas Kessler, Basel, CH
Sampling, oder "Nach"denken über Musik.

Mit der Sampling Technologie eröffnet sich der Musik der Zugriff auf die Archive der Musikgeschichte und der akustischen Umgebungsrealität. Die unbeschränkte Verfügbarkeit eines enzyklopädischen musikalischen Universums, die Komponisten, Musikern und Rezipienten damit in die Hände gegeben wird, verändert unsere Beziehung zur Musik, indem sie unser Denken über Musik in ein Nachdenken verwandelt.
Man muss die Frage stellen. in welchem Masse reflexive Strategien im Gegensatz zu synthetischen Strategien Musik praeformieren, wie apparative SetUps sich auf ästhetische Qualitäten auswirken und wie unsere Begrifflichkeit und Reflexionsfähigkeit im Hinblick auf Musik durch das Sampling verändert wurden und noch werden.


Seminar VIII: Di - Sa, 5. - 9. Oktober

Zsuzsanna Gahse, Müllheim, CH
Nichts ist wie: (Literatur und musikalisches Denken).
Natürlich gibt es eine Fülle von Möglichkeiten. die Sprache zur Musik zu erheben – durch Vertonungen, durch Anhebung, Überhöhung oder Verzerrungen der Aussprache zum Beispiel. Aber die Sprache kann ihre eigene Musikalität, ihre von vornherein gegebene Verwandtschaft zur Musik auch selbständig zeigen. Die Mitlaute und Selbstlaute und ihre unterschiedlichen möglichen Reihungen haben an sich schon musikalische Werte. Diese Wertigkeiten hervorzuheben ist das Ziel des Seminars (im Titel geht es um ein Spiel mit dem Vokal i) Am Ende des Seminars soll in Zusammenarbeit ein kleines Wortkonzert entstehen.

Seminar IX: Di - Do, 5. - 7. Oktober

Klaus Scherrer, Genf, CH
Emotion und musikalisches Denken.

Musik als nonverbales Übermittlungssystem.
In diesem Seminar wird der Frage nachgegangen, inwieweit die psychobiologischen Grundlagen des Emotionsausdrucks Einfluss auf das musikalische Denken nehmen. Beginnend mit der auf Helmholtz basierenden Überlegung, dass sowohl Sprache als auch Musik sich aus der Ausdifferenzierung der vorsprachlichen Affektlaute entwickelt haben könnten, wird versucht, einige Grundprinzipien des musikalischen Denkens herauszuarbeiten und in Beziehung zum stimmlichen Emotionsausdruck zu setzen. Es soll in Interaktion mit den Teilnehmern untersucht werden, inwieweit sich solche Ausdrucksprinzipien bei der Komposition musikalischer Werke aber auch in interpretatorischen und improvisatorischen Praktiken aufweisen lassen.


Seminar X: Fr + Sa, 8. + 9. Oktober

Maria L. Schulten, Münster, D
Verbalisierung in der Musikvermittlung.
Zum Problem von Denken und Sprechen über Musik in Musiklernprozessen.

“Klasse, super!" oder "ätzend" oder "Das hört sich an wie im Krimi!"; Diese Ausserungen stammen von Schülern und Lehrern aus dem Musikunterricht und berühren ein zentrales Problem des Lernens. Das Behalten von Musik sowie die Kommunikation über Musik ist gebunden an sprachliche Fertigkeiten und damit an den Erwerb eines entsprechenden Vokabulars. In den Seminarstunden werden einige Alltagsszenen dargestellt, mit Hilfe verschiedener wissenschaftlicher Ansätze aus Pädagogik, Psychologie und Philosophie betrachtet und im Hinblick auf die Praxis ausgewertet.