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Die
Gebärden von (hörenden und gehörlosen) Menschen verschiedener
Kulturen: kulturell-determinierte oder freie Gesten?
Wo stehen die Gesten in der Entwicklung des Spracherwerbs bei Hörenden,
und wo ist der Ubergang zur Gebärdensprache der Gehörlosen?
Gesten als universale Klischees (Bildschemata, Metaphern), als Ausdruck
einer Kultur (hier: Italienische Gesten) und als linguistischer Kode
(Gebärdensprache) werden miteinander verglichen. Gibt es improvisatorische
Elemente beim Gebrauch von Gesten, und wie weit ist diese Improvisation
frei, resp. limitiert oder vorprogrammiert? Gibt es eine spezifisch "kulturelle
Improvisation" (zB. Italienisch gegenüber anderen Kulturen)?
Gibt es in einem kodierten Gebärdensprachsystem Platz für
Improvisation (zB. Gebärdensprachpoesie)? Wo spielt Pantomime
mit und wo sind deren Grenzen?
Seminar II:
Do - Sa, 3. - 5. Oktober
Penny
Boyes Bräm / Thüring Bräm, Basel,
CH
Konventionelle
und improvisierte Muster in Gebärdensystemen (Dirigieren, Gebärdensprache
u.a.)
Aufbauend auf dem Seminar von Volterra/Boyes werden hier die Gesten spezifisch
auf das Dirigieren hin untersucht. Wie sieht das Repertoire der Dirigiergesten
aus, worin unterscheidet es sich und worin überschneidet es sich mit den
Gesten der Gebärdensprache? Wie weit basieren die Dirigiergesten auf visuellen
Schemata /Metaphern, wie weit sind sie einzigartig in Bezug auf die Orchestersituation,
inwieweit handelt es sich um Improvisation? Wie weit hängt die Mimik mit
den Handgesten zusammen (vorprogrammiert oder improvisiert?)? Welche Beziehung
besteht zwischen der Raumorganisation und der Zeit (Geschwindigkeit der Gesten),
und wie wird der “Ausdruck" mitgeteilt?
Seminar III: Di - Sa,
1. - 5. Oktober
Hans-Christian
Schmid, Osnabrück,
D
Eher
Holzschnitt als Filigran. Oder warum gute Filmmusik auf schlechte Klischees
abonniert ist.
Anhand ausgewählter Filmbeispiele / Videos soll untersucht werden,
warum gute, d.h. wirkungsvolle und deutlich erkennbare Filmmusik stets
auf Klischees zurückgreift, warum mit anderen Worten ein kompositorischer
Fortschritt in der Filmmusik nicht stattfindet, nicht stattfinden darf
(wenn man einmal vom sog. "Sound Design" absieht). Radikal
formuliert: man kann die Geschichte der Filmmusik beschreiben als einen
Prozess einer allmählichen De-Komposition, einer voranschreitenden
Ent-Kunstung.
Seminar
IV: Di - Sa, 1. - 5. Oktober
Michel
Chion, Paris,
F
Der Mythos der "natürlichen" Musik
in der elektroakustischen Musik.
Elektroakustische Werke von Komponisten wie
jene von Henry, Stockhausen, Bayle, Berio, Xenakis, Zanési, bedienen
sich Klischees einer sog. "naturalistischen" Musik: die Idee einer
Musik ohne Schnitte und Brüche, bei der der Klang wie ein natürliches,
in sich selbst ruhendes Phänomen präsentiert wird. In diesen Werken
indessen, wie auch in den meinigen, die im Laufe des Seminars vorgeführt
und analysiert werden, wird dieses "naturalistische" Modell dialektisch
behandelt; es wird gleichzeitig benützt und kritisiert, es wird ihm
zugestimmt und gleichzeitig widersprochen. Das erlaubt, über die Idee
nachzudenken, dass vielleicht keine Kunst das Klischee so nötig hat,
wie die neue Kunst.
Seminar V: Di - Sa,
1. - 5. Oktober
Klaus-Ernst Behne, Hannover,
D
Zur
Psychologie des musikalischen Ausdrucks.
Es wird zunächst eine Einführung in die Emotionspsychologie
geben, sowie speziell Informationen zur Entwicklung des Ausdrucksverstehens.
Im folgenden werden dann u.a. der Zusammenhang zwischen musikalischer Struktur
und Ausdrucksdeutung sowie musikalische Klischees behandelt. Zum Abschluss
des Seminars soll Ambivalenz des Ausdrucks als ästhetisierende Komponente
des Musikerlebens im Rahmen einer Theorie des musikalischen Ausdrucks zur
Diskussion gestellt werden.
Seminar
VI: Di - Sa, 1. - 5. Oktober
Beat
Wyss, Bochum, D
Unscharfe
Gedanken.
Zum redundanten Inhalt der Klassischen Moderne.
Topoi sind unscharfe Denkfiguren – mit Leonardo gesprochen:
Flecken an der Mauer einer Epoche, deren Unbestimmtheit die Künstler
zu Kompositionen und Erzählungen inspiriert. Auf der wolkig rauschenden
Redundanz einer mentalen Verfasstheit entstehen die Lichter, Akzente und
artikulierten Rhythmen einer künstlerischen Information. Es ist eben
nicht so, dass Künstler vor einer weissen Leinwand stehen, Schriftsteller
und Komponisten auf ein leeres Blatt starren. Der Malgrund ist immer schon
behandelt, die Stichworte stehen, die Tonart ist gestimmt. Hat der Künstler
einen Schreibstau, kommt dies nicht aus dem horror vacui des unbeschriebenen
Blattes, sondern weil darauf schon zu viel steht, was auf den Autor eindrängt,
ohne dass er dieses wolkige Rohmaterial in eine manifeste Ordnung überführen
könnte. Das unbewusste Verfahren der Kunst besteht darin, redundantes,
mentales Vorwissen in manifeste, informative Neuigkeiten zu übertragen.
Unscharfe Gedanken sind der blinde Fleck der Inspiration. Den Zeitgenossen selbst
bleibt sie unbewusst. Erst in der historischen Distanz werden die Topoi erkennbar
als Formen der ästhetischen Mentalität einer Epoche. Als Beispiel untersuchen
wir die Klassische Moderne: An Kandinsky, Mondrian, Schönberg, Heidegger,
Malewitsch und Le Corbusier ist zu erkennen, dass sie einer Zeit Gestalt gaben,
die sich von uns so weit entfernt hat, dass deren unscharfe Gedanken im Umriss
erkennbar werden.
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Selbst ein Klischee?: Die alte Klage über
die Klischiertheit von Filmmusik;
– die als grosszügig
Verallgemeinernde so wenig hergibt wie sonst ein Pauschalurteil und meist
auch noch offen lässt, was sie denn konkret meint, ob die Beschaffenheit
der Musik, oder nicht vielmehr deren Einsatz und Anwendung. Für beide
Bereiche, den idiomatischen wie den dramaturgischen, haben sich im Lauf
der Jahrzehnte Normen herausgebildet, die den jeweils herrschenden Produktionsverhältnissen
zu genau entsprachen, als dass ästhetisch fundierte Kritik sie ausser
Kraft zu setzen vermocht hätte.
Seminar VIII: Di -
Sa, 1. - 5. Oktober
Rudolf
Frisius, Karlsruhe,
D
Bekanntes und Unbekanntes. Probleme der Formanalyse
in improvisierter Musik.
5 Seminare präsentieren
Formanalyse(n) zuvor im Konzert gemeinsam gehörter
(improvisierter) Musik: Analyse als Protokollierung im Verlauf des Hörens
– als Resultat der Überprüfung und Modifikation der Höranalyse
des Live-Spiels sowie des Live-Hörens auf der Basis des Hörens
und Analysierens von Aufnahmen des zuvor Gespielten und Gehörten.
Bekanntes und Unbekanntes, Voraussehbares und nicht Voraussehbares durchdringen
sich im Prozess nicht nur der Improvisation, sondern auch des Hörens
komponierter und improvisierter Musik. Formanalyse improvisierter Musik (die,
anders als die Strukturanalyse, nicht nach dem Entstehungsprozess, sondern
nach dem gehörten Klangerlebnis fragt, und für die Unterschiede
zwischen komponierter und improvisierter Musik insofern nur von sekundärer
Bedeutung sind) kann sich konzentrieren auf die Beschreibung von unmittelbar
hörbaren Eigenschaften und Klangobjekten sowie auf ihre Veränderung
im Kontext charakteristischer Klangverläufe. Sie beschreibt Musik als
klingende Zeit – sei es als Zustand (in einer spezifischen Konstellation
von Eigenschaften und/oder Klangobjekten), sei es als allmähliche oder
plötzliche Veränderung (fliessende oder geschnittene Zeit).
Seminar
IX: Di - Sa, 1. - 5. Oktober
Hans
Harder, Zürich, CH
Die vielen Facetten der Gebrauchsmusik in der aktuellen Medienwelt.
Eine immer rascher sich wandelnde
Gesellschaft nutzt grosse Mengen von Musik aller Art. Zunehmende Segmentierung
des Publikums, Digitalisierung, digitale Kompression, interaktive Medien,
Verschmelzen aller Sparten der Telekommunikation, weitere Computerisierung
neuer Angebote via Satelliten und Kabel, Multimedia, usw. stellen Programmschaffende
wie Medienkonzerne vor gewaltige Probleme. Für grosse Minderheiten unserer Gesellschaft wird sich das Verhältnis
zu den angestammten Medien verändern.
Jeder Rundfunkveranstalter ist gezwungen, die unterschiedlichsten Erwartungen
der verschiedensten Publikumsgruppen sehr genau kennen zu lernen. Rezipientengruppen
lassen sich mit Hilfe von soziologischen Rastern typisieren. Reaktionen auf
musikalische Muster sind unverkennbar. Das wertungsfreie Ergründen dieser
Phänomene bringt neben dem praktischen Nutzen für die Beteiligten
auch interessante Erkenntnisse über die Wirkung von Musik im weitesten
Sinn. Gleichzeitig gilt es, für die Musikprogrammierung neue effiziente
Methoden für deren Umsetzung zu erfinden.
Seminar
X: Di + Mi, 1. + 2. Oktober
Heiner
Goebbels, Frankfurt am Main, D
Das Sampie als Zeichen.
Untersuchung der Sprach-
und Bildfähigkeit akustischer Signale, Texte,
Geräusche, Musik; die Bedeutung der Trivialität für den (optischen)
Raum in Hörstücken. Präzisiert das Sampie das improvisierte
Material?
Seminar
XI: Do + Fr, 3. + 4. Oktober
Maria
Luise Schulten, Münster, D
Glanz und Elend des guten Geschmacks.
1. Sitzung: Durch Historie und Begriffswirrwarr zu klaren Daten: Nutzen und
Nachteile von Klischees, Vorurteilen und Stereotypen.
2. Sitzung: Sozialpsychologie des schlechten Geschmacks? |
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