SEMINARE

 
 

Seminar I: Di - Sa, 5. - 9. Oktober

Kjell Keller, Bern, CH

 

Seminar V: Di - Sa, 5. - 9. Oktober

Kenneth Zuckerman, Basel, CH

 
 

Spuren musikalischer Improvisation in europäischen Kulturen
Ausgangsfrage: der alte Naturjodel im alpinen Raum (Kuhreihen, Jauchzer u. a.), einstimmig und mehrstimmig gesungen (auf einem Bordun, "Gradhäbe"), in nichttemporierter Stimmung. Frage nach verwandtem vokalem und instrumentalem Musizieren im europäischen Raum.


Seminar II: Di - Sa, 5. - 9. Oktober

Ernst Lichtenhahn, Zürich, CH
Musikalisches Handeln im Spannungsfeld von Norm, Funktion und Spontaneität an Beispielen afrikanischen Singens und Spieles
Die Schriftlosigkeit aussereuropäischer traditioneller Musik erweckt in europäischer Sicht den Eindruck des Nicht-Komponierten, mithin Improvisierten. Die Vorstellung ist ungenau; die europäischen Kategorien greifen nicht. Das Seminar will an konkreten Beispielen aus der südlichen Sahara (v.a. Tuareg und Hausa) eine Einführung geben in musikalisches Handeln, das einerseits durch eine Vielzahl musikalischer wie auch kontextueller (gesellschaftlich--funktionaler) Normen und Zielsetzungen bestimmt ist, andererseits aber Spontaneität, bzw. eine grosse Variationsbreite der Gestaltung als selbstverständlich voraussetzt.


Seminar III: Di - Sa, 5. - 9. Oktober

Artur Simon, Berlin, D
Musikalische Gestaltung zwischen Bindung und Freiheit in afrikanischer und arabischer Musik
Die rhythmische und melodische Gestaltung in Afrika ist weitgehend "Pattern"-Musik. Meistens sind diese Muster in eine zyklische Form gefasst. Völlig "frei" improvisierte Musik ist sehr selten. Was dem Aussenstehenden wie eine freie Improvisation – zum Beispiel auf der Flöte vorkommt, stellt sich oft als Spiel über eine vokale Vorlage heraus.
Im Bereich der arabischen Musik soll die individuelle Improvisation am Beispiel des taqsim, der bekanntesten Form des Instrumentalsolos behandelt werden.


Seminar IV: Di - Sa, 5. - 9. Oktober

Stascha Bader, Zürich, CH
Sprachimprovisalion in der afroamerikanischen Musik
Dank der Kraft des Wortes, der Musik und des Tanzes haben die Afrikanerinnen und Afrikaner in Amerika nicht nur jahrhundertelange Unterdrückung überlebt, sondern sie sind heute weltweit zu einer kulturell und gesellschaftlich bedeutenden Stimme geworden. Anhand von Musik- und Videobeispielen sollen die herausragendsten Dichterinnen und Dichter am Mikrophon und ihre Texte, Improvisationstechniken, Stile, Aufführungsmuster, Sprache und musikalische Begleitung aus Dance Hall--Raggae und Rap aus Jamaika, USA und Europa kennengelernt werden.

 

Improvisation in der Musik des Mittelalters
Neueste Forschungen zeigen, dass Improvisation in der mittelalterlichen Musik eine wichtige Rolle gespielt hat. Das Studium sowohl von theoretischen Abhandlungen, als auch der musikalischen Quellen selbst, zeigt eine ausgedehnte nicht schriftlich fixierte, improvisierte Tradition, die gleichzeitig mit dem komponierten, notierten Repertoir existierte. Im Versuch, die Praxis und Pädagogik der mittelalterlichen Improvisation wieder zu beleben, wurde es nötig, viele der Grundvorstellungen, die sich in der klassischen westlichen Musikerziehung und -ausübung tief eingegraben haben, neu zu bewerten. Dies erforderte nicht nur eine andere Sicht auf das Grundmaterial (Notation, Komposition, etc.), sondern auch einen Blick auf andere Musikkulturen. Im Speziellen hat die strenge Art der modalen Improvisation in Nordindien wichtige Hinweise darüber geliefert, wie ein ausgedehntes nicht-geschriebenes Repertoir aufgeführt und gelehrt wird. Während des Seminars werden wir versuchen, einen Teil des Prozesses nachzuzeichnen, den wir im Studium der modalen und improvisatorischen Strukturen von verschiedenen Repertoirs der mittelalterlichen Musik verfolgt haben.


Seminar VI: Di - Do, 5. - 7.
Oktober

Dorothea Baumann, Feldmeilen, CH
Praktische Experimente und Diskussion zur akustischen Wahrnehmung
Schallwahrnehmung:
Schallausbreitung, Schallortung, Empfindlichkeit des Gehörs, Wahrnehmung von Klangeigenschaften, Schall und Raum. Beantwortung von Fragen. Kommentar zu vorgeführten Instrumentalklängen und elektronischen Klängen.


Seminar VII: Di, 5. Oktober

Konrad Volk, München, D
Improvisationsmusik im Alten Mesopotamien

Der Musik kommt im kultischen wie im höfischen Leben des Alten Mesopotamien (Sumer, Babylonien, Assyrien) zentrale Bedeutung zu. Die Rolle der "Volksmusik" bleibt dagegen weitgehend im Dunkeln. Musiziert wird vornehmlich mit Instrumenten der Hauptgattungen Chordophone, Membranophone, Aerophone. Spätestens ab der Mitte des 2. vorchristlichen Jahrtausends finden sich erste Versuche, musikalische Formen schriftlich zu fixieren, sei es zur Dokumentation, sei es zur Anleitung. Unter Vernachlässigung musikwissenschaftlicher Definitionen lassen sich in der Kultmusik des ausgehenden 1. vorchristlichen Jahrtausends Ansätze freier Improvisation ausmachen.


Seminar VIII: Mi + Do, 6./7. Oktober

Joachim Latacz, Basel, CH
Improvisation als Grundtechnik der frühgriechischen epischen Dichtung

1. Sitzung:
Forschungsgeschichtliche Grundlegung: Wie hat die gräzistische Literaturwissenschaft herausgefunden, dass hinter den schriftlich erhaltenen beiden Gross-Epen "lIias" und "Odyssee" (die einem Hòmeros zugeschrieben werden und gegen Ende des 8. Jh.v.Chr. entstanden sind) eine mündliche Improvisationsdichtung steht, die während der Jh. XII-VIII von analphabetischen "Sängern" coram publico frei extemporiert wurde?
2. Sitzung:
Darlegung der Technik des Improvisationsprozesses anhand von Beispielen, in Zusammenarbeit mit den Seminarteilnehmern.